Campus mackerfrei ist vorerst Geschichte. Die Hochschulgruppe, die sich 2020 gegründet hat, um gegen die Rückkehr eines übergriffigen Professors an die Universität Erfurt vorzugehen, hat nun ihre Auflösung bekannt gegeben. Seit sechs Jahren war campus mackerfrei eine niederschwellige Anlaufstelle für Betroffene von (sexualisierter) Gewalt und eine wichtige Instanz des selbstorganisierten feministischen Protests in Erfurt. Jetzt ist damit Schluss und das ist ein Armutszeugnis für die linke Szene in Erfurt – findet X.Y.
Schon seit längerem stand es schlecht um die Gruppe. Trotz zahlreicher Versuche, mehr Menschen für die Struktur zu gewinnen, sind bis zuletzt immer weniger Genoss*innen bereit gewesen, sich mit dem Thema sexualisierter Gewalt, Machtmissbrauch und struktureller Benachteiligung, Ausbeutung und Unterdrückung von FLINTA am Campus und überall auseinanderzusetzen. Eine Entwicklung, die sich auch als starke Belastung für die beiden verbliebenen aktiven Mitglieder der Gruppe erwies. Über Monate hinweg trugen sie eine immense Arbeitslast, um den Erhalt der Gruppe zu sichern – leider ohne Erfolg und das trotz zahlreicher Hilferufe und offener Plena. Das ist nicht nur schade. Das ist Ausdruck des immergleichen Problems: Ignoranz und/oder Gleichgültigkeit gegenüber den alltäglichen Auswüchsen des Patriarchats, oder mindestens ein Unwille, sich tatsächlich mal aufzuraffen. Das überrascht nicht. In Zeiten, in denen der Feminismus leider viel zu oft zum identifikationsstifenden Label verkommen ist und in großen Teilen kaum marktkonformer sein könnte, ist mangelndes Interesse daran, sich mit den Missständen der patriarchalen Gesellschaftsstruktur ernsthaft auseinanderzusetzen, nur allzu oft an der Tagesordnung. Dabei ist feministische Arbeit (in Teilen anstrengend und kräftezehrend, insbesondere allein) vor allem eines: Notwendig. Es reicht nicht, sich zu empören, es braucht Personen, die bereit sind zu handeln. Gemeinsam, und organisiert. Bei campus mackerfrei war das lange gelebte Praxis. Jetzt gibt es eine Gruppe weniger in Erfurt, die feministisch zu stören bereit ist.
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