Wir müssen über Macker im Plenum sprechen – findet Mira Glühwurm und fasst einige Gremien der letzten Woche zusammen. Namen wurden geändert, die Wut bleibt.
Also 1 Sitzung, Vorstellungsrunde: Sag deinen Namen und für welche Struktur bist du da. Hallo ich bin Mara von der XY jugend. 8 Wörter! Pascal ist der nächste, Er hat Redebedarf und labert darüber, warum er heute hier ist und warum ist das soo wichtig, dass wir uns treffen. Und Pascal hat ja früher schon mal da und da gearbeitet, das und das gemacht und ist deswegen Experte auf dem Gebiet blablabla. Aus dem Blicken aller FLINTA*spricht: Halts MAUL Pascal, kauf dir eine Pflanze – laber die voll.
Auf einer anderen Sitzung sind 5 Leute – 2 Macker, 3 FLINTA*. Supi – da haben wir richtig Repräsentanz. Außer wenn es nach Carsten und Max geht. Aus denen blubbert mehr raus als aus meinem extra spritzigem Wasser. Der Redeanteil ist gerade bei so 90 zu 10%. Atze- wir führen bei 5 Leuten keine quotierte Redeliste, weil du deinen Sabbel nicht halten kannst. Beim nächsten Mal spielen wir „Bibi Blocksberg und der Hexengeburtstag“ und es gibt Redeverbot für Männer! Check mal, du bist ein Mann und das ist ein Problem!
Dann gibt es da noch Rolf. Alle melden sich, nur Rolf nicht. Rolf redet das dritte mal dazwischen. Lieber Rolf beim nächsten Mal gibt es einen Redestein, den werfe ich dir ins Gesicht, wenn du noch einmal ungefragt sprichst!
Das Plenum ist lang, wir haben viel zu besprechen. Eine Kippenpause ist gewünscht. „Ja eine Pause, 4 Minuten aber dann sind alle wieder da“, sagt der Modi. Genau Atze, die Genossin muss sich dann aber zwischen Kippe und pissen entscheiden. Weil Periodenprodukte wechseln oder PMS Durchfall brauchen etwas mehr Zeit, als den Lümmel rauszuhalten!
Und der Klassiker, von dem ich inzwischen glaube, dass es einfach Ragebaid der Macker ist: Eine FLINTA* argumentiert fundiert. Micha wiederholt es nochmal. Denn wenn ich es etwas tiefer und auch etwas lauter sage, ist es valider.
Ich sag euch: Wer ohne Sünde, werfe den nächsten Redestein. Wie kann es denn sein, dass ich in X Jahren Politarbeit bisher erst einmal in einer nicht FLINTA*-Only Gruppe bin, in der Männers mitmachen, die nicht rummackern, die ihre Rolle checken, die gleichwertig Verantwortung übernehmen und wissen, wann sie ihr Maul halten sollen?
Wisst ihr, womit wir ab heute aufhören: Wir sind nicht mehr die Person, die den Termindoodle erstellt, nicht mehr die, die nach dem Plenum aufräumt. Und wenn ich noch eine höre, „Ja, wenn sonst keiner Protokoll schreibt, dann mach ichs halt“, krieg ich wirklich zu viel. Genossinnen! Machts nicht aus schlechtem Gewissen, die Macker haben nämlich auch keins.
Wenn ich normalerweise bei soetwas rumpöbel, sagt meine beste Freundin immer, ich soll mit der unbezahlten Care-Arbeit aufhören. Das Problem dabei ist: Macker brauchen Care-Arbeit, denn Privilegien checken – schwierig.
Apropos Privilegien checken. Glaubt nicht, dass FLINTA-only Räume zeitgleich für alle und immer ein Schutzraum sind. Ich selber habe viel zu lernen und mich zu öffnen! Mir meiner eigenen dunklen Flecken bewusst zu sein. Nur weil wir selber von Diskriminierung betroffen sind, fühlen sich nicht alle wohl und gesehen in den Räumen, die wir gestalten. Neurodivergenzen in kahlen Strukturen. Lesben in hetero Räumen. POC in Weißen Runden. Die Beispiele sind vielfältig und es schmerzt, wenn ich sehe, was ich bisher nicht sehen wollte.
Also stehen wir zusammen, öffnen unsere Räume und Runden – hören wir zu. Gemeinsam nehmen wir uns die Mackerräume, gestalten schöne Redesteine. Zeigen wir den Mackern, wo ihr Platz ist.