20./21.9.25, Mühlhausen/Arnstadt: we’ll come United gegen Isolation
Im Rahmen einer Tour durch Ostdeutschland macht die Karawane des antirassistischen Netzwerks „We’ll come united“ Halt in Mühlhausen und Arnstadt, wo ca. 300 Menschen gegen die Eröffnung einer Abschiebehaftanstalt demonstrieren.
27.9.25, Gehren: Brandanschlag auf Geflüchtetenunterkunft
Auf das Zimmer einer dreiköpfigen Familie wird mitten in der Nacht ein Brandanschlag verübt. Es entwickelt sich ein Brand, die Betroffenen können fliehen. Nach mehreren Durchsuchungen im Ilm-Kreis und Saalfeld-Rudolstadt werden einen Monat später sechs junge Männer festgenommen. Ermittelt wird wegen versuchtem Mord in Tateinheit mit versuchter besonders schwerer Brandsitftung und weiteren Delikten. Drei Beschuldigte bleiben vorerst in Untersuchungfshaft. Ende April 2026 beginnt das Verfahren gegen sechs Beschuldigte am Landgericht Erfurt.
27.9.25, Jena: Ultras gg. Polizeistaat und -stadt
Unter dem Motto „Für die Freiheit der Kurve – gegen Polizeistaat und -stadt“ protestiert die aktive Fanszene gegen die von Sicherheitsdezernent Benjamin Koppe („Persona non grata – Feind des Jenaer Fußballs“) verhangenen Hausverbote für das Stadion in Folge von Auseinandersetzungen beim Heimspiel gegen Chemie Leipzig. Kritisiert wird die law&order-Strategie von Stadtverwaltung, -politik und Polizei. Weiterhin wird auf die drohende Gesetztesverschärfung des geplanten neuen Polizeiaufgabengesetzes hingewiesen.
10./11.10.25, Erfurt: Antifa-Kongress „Zeit zu denken“
200 Antifaschist*innen kommen bei einem Kongress zusammen. Anders als der Titel nahelegt, geht es nicht nur daraum, was und wie man über die Verhältnisse denken soll, sondern auch, wie man sie verändern kann. Es wird gestritten, den einen zu viel, den anderen zu wenig – siehe die Seiten 30-43 in diesem Heft.
18.10.25, Erfurt: Gedenken an Opfer rechter Gewalt
Auf dem Domplatz findet erstmals ein Gedenktag für die Todesopfer rechter Gewalt in Erfurt statt. Neben dem Gedenken an Heinz Mädel (1990), Ireneusz Szyderski (1992) und Hartmut Balzke (2003) geht es um Zeitzeug:innenarbeit mit ehemaligen Vertragsarbeitenden, Umgang mit fehlender staatlicher Anerkennung, historische Kontinuitäten rechter Gewalt und queere Erinnerungskultur sowie um thematische Stadt- rundgänge. Organisiert wird das Programm von verschiedenen Selbstorganisationen, dem Verein Blinde Flecken, EZRA, DGB-BWT. Der Stadtrat hatte auf Initiative der Grünen erstmals ein kleines Budeget dafür zur Verfügung gestellt.
7./8.11.25, Erfurt: Stadtteilgewerkschaft ‚Johannisplatz Solidarisch‘ angegriffen
Knapp vier Monate nach Eröffnung des Ladenlokals der Stadtteilgewerkschaft in Ilversgehofen wird die Glasfront des Lokals nachts beschädigt. Die Engagierten vermuten ein rechtspolitisch motvierte Tat, da am Vorabend junge Erachsene gegen den offenen Treff mit rechten Pöbeleien und Parolen auftraten. Die Einschüchterung hat ihr Ziel verfehlt, der Laden bleibt geöffnet: „Ein Angriff auf diese Inititiative ist ein Angriff auf die Nachbarschaft. Ein starkes, gemeinsames Auftreten gegen die immer stärker werdende faschistische Bedrohung muss unser aller Anliegen sein!“
7./8.11.25, Jena: 34. antifaschistischer und antirassistischer Ratschlag
Am Enver-Şimşek-Platz in Winzerla startet der Mahngang von „NSU-Komplex auflösen“, den aufgrund der Kälte nur Wenige durchhalten. In der wunderschönen und funktionalen Gemeinschaftsschule Wenigenjena gibt es warmes Abendessen bis das Stück „Monologe mit meinem ‚asozialen‘ Großvater“ mit anschießendem Publikumsgespräch aufgeführt wird. Es folgt ein programmreicher Samstag mit Vorträgen und Workshops, Raum für Austausch und Diskussionen bis am Abend im lieblichen Kulturschlachthof ausgelassen getanzt wird. Für einen konkreteren Eindruck lest den Bericht zu einem der Workshops, welcher zum Austausch über das im Vorfeld veröffentlichte Korridor-Papier zu Nahost des diesjährigen Vorbereitungskreises eingeladen hatte.
17.11.25, Erfurt-Stotternheim: Arbeiter stirbt bei Amazon
Ein 59jähriger Arbeiter stirbt bei Amazon während der Arbeit. Der zuständige Gewerkschaftssekretär sagt dazu in der Presse: „Wie viel Verantwortung Amazon bei dem Todesfall hat, können wir schwer einschätzen. Aber was wir auf jeden Fall wissen: Die Arbeitsbedingungen, die wir bei Amazon vorfinden, machen krank.“
1.1.26, Thüringen: Zehn Jahre Bildungsfreistellung
Seit zehn Jahren können sich in Thüringen Arbeitnehmende und Azubis für fünf Tage pro Jahr unter Fortzahlung des Lohns für Bildung freistellen lassen. Dafür wurde lang gestritten, im Westen gibt es das seit den 1970er-Jahren. Ihr wollt Quoten-Ossi werden und den Altersdurchschnitt drücken? Macht einen Bildungsurlaub – fünf Tage bezahlt nicht auf Arbeit sein und Neues kennenlernen! Deshalb will die Thüringer CDU das auch wieder abschaffen, um noch das letzte aus den Leuten rauszupressen.
18.1.26, Erfurt: Zalando kündigt Betriebsschließung an
Nachdem sechsten Streik am Erfurter Standort des Zalando-Konzerns im Dezember kündigt die Konzernleitung trotz Gewinnen die Schließung des Standorts an. Über 2700 Arbeitsplätze werden gestrichen, der Konzern will den 2012 mit staatlichen Subventionen eröffneten Standort nicht modernisieren und zieht weiter nach Niedersachsen. Bislang verweigert der Arbeitgeber dem Betriebsrat die direkte Verhandlung über einen Sozialplan. Unter den Beschäftigten, die – auch in der Zeitarbeit – ihren Job verlieren, sind viele Migrant:innen.
13./24.1.26, Saalfeld: Brandanschlag auf Schloßberg und Soli-Demo
Das selbstorganisierte Projekt Schloßberg wird in der Nacht mit Brandsätzen angegriffen. In zeitlicher Nähe tauchen rechte Graffiti (u.a. „Lvw“ für die neonazistische Jugendorganisierung „letzte Verteidigungswelle“) unter anderem am Klubhaus und im Stadtgebiet auf. Nur elf Tage später kommen 900 Menschen aus ganz Thüringen zusammen und demonstrieren unter dem Motto „Ihr zündet an – wir stehen zusammen! Gegen rechten Terror“ ihre Solidarität mit den betroffenen Strukturen. Es ist die größte antifaschistische Demonstration in Saalfeld seit 1998.
21./24.1.26, Kurdische Demonstrationen, auch in Erfurt
Nachdem die syrische Übergangsregierung die kurdische Selbstverwaltung in Nordsyrien angreift, demonstrieren Kurd:innen in ganz Europa, so auch in Erfurt mit ca. 500 Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz.
26.1.26, Erfurt: Martin Sellner bei AfD zu Gast
Während anderswo der IB-Funktionär mit seinem „Remigration jetzt“-Müll nicht auftreten darf, wird er in Thüringen von der AfD-Fraktion offiziell im Landtag begrüßt und kann später im Erfurter Braukeller auftreten und lesen. Im Schnee versammeln sich an die 200 Menschen am Fischmarkt, um dagegen zu protestieren.
31.1.26, Erfurt: Nein zur Bezahlkarte
Ein breites Bündnis gegen die Bezahlkarte ruft zur Demo für eine solidarische Asylpolitik auf. 400 protestieren gegen Arbeitspflicht, Leistungsausschluss und gegen die entmenschlichende Praxis der Bezahlkarte.
7.3.26, Zöllnitz bei Jena: Femizid
Eine 25jährige Frau wird in einem Dorf bei Jena von ihrem Ex-Partner erwürgt. Die Banalisierungsmaschine läuft, mehrere Berichte sprechen beschönigend von einer Tragödie, die Polizei ermittelt (laut Presseberichten) wegen Todschlags. Die Wut steigt, siehe dazu die Seiten 9-12 in diesem Heft.
7./8.3.26, Erfurt, Jena: Take Back the Night / Feministischer Kampftag
Rund um den feministischen Kampftag finden zahlreiche Aktionen in Thüringen statt. In Erfurt gibt es drei Demos, eine antiimperialistische und eine autonome am 7.3., eine große und wütende Bündnisdemo am 8.3. In Jena findet es ein Streiktag unter dem Motto „Räume einnehmen“ mit Workshops und Diskussionen statt.
25.3.26, Fretterode: Erneut rechter Angriff gg. Journalisten
Diesmal greifen Thoralf und sein Vater Thorsten Heise drei Spiegel TV-Journalisten an, als diese für einen Dreh in Fretterode sind. Es folgen Durchsuchungsmaßnahmen und ED-Behandlungen. Rauskommen wird beim „Justizwunder“ Heise vermutlich wieder nichts. Dabei läuft aktuell die zweite Auflage des Fretterode-Prozesses am Landgericht Mühlhausen gegen den jüngeren Sohn Nordulf und Ziehsohn Gianluca Bruno. Die Landtagsabgeordnete König-Preuß erstattet kurz nach Bekanntwerden der detaillierten EXIF-Recherche zum ‚System Heise‘ Anzeige, um das Ausmaß der „Neonazi-Clancriminalität“ um Heise ans Licht zu bringen.
1.4.26, Jena: Urteile im zweiten Knockout 51-Verfahren
Kevin Nöske, Marvin Wolf und Patrick Wieschke (Die Heimat) werden wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verurteilt: ersterer zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monate, zweiterer zu zwei Jahren Bewährung und der letzte zu einem Jahr und zwei Monaten Bewährung. Das Urteil entpolitisiert und verharmlost die Machenschaften der gewaltbereiten Neonazis ebenso, wie es die 54 Verhandlungstage getan haben. Dagegen wird am Urteilstag demonstriert.
10.-12.4.26, Erfurt: Widersetzen-Konferenz
Mehrere Hundert Antifaschist:innen kommen im Zughafen zusammen und sprechend darüber, wie sich der Kampagnen-Antifaschismus von Widersetzen verstetigen und verbessern lässt. Die lokale Antifaszene verhält sich wenig dazu.
April 2026, Suhl: AK40 bezieht neues Domizil
Durch Spenden und Direktkredite kann das selbstverwaltete AK40 eine Immobilie erwerben und aus den alten gemieteten Räumlichkeiten ausziehen. Demnächst wird gewerkelt, gebaut und hergerichtet, bis das neue Zuhause der Küfa Suhl die Pforten öffnen wird. Zum Erhalt braucht es weiterhin Support: https://ak40.noblogs.orghttps://ak40.noblogs.org
12.4.26, Weimar: Buchenwaldgedenken vs. Kulturkampf
Das Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald ist 2026 von Konflikten geprägt. Zum einen hat der zuständige Kulturstatsminister Wolfram Weimer, einer der Redner:innen in Buchenwald, im Frühjahr 2025 drei linke Buchhandlungen aus politischen Gründen von der Preisträgerliste des deutschen Buchhandlungspreis gestrichen. Zum anderen haben palästinasolidarische Kleingrup- pen angekündigt, am Gedenktag für die Opfer von Buchenwald mit Kufiya zu demonstrieren. Weimers Rede wird durch Zwischenrufe und das Singen des Buchenwald-Liedes kommentiert. Die Kufiya-Fraktion konzentriert ihre Aktivitäten auf Social Media, viele bürgerliche Medien greifen das auf. Neben der erwartbaren Kritik von antideutschen Linken und der Gedenkstätte kritisierten auch palästinasolidarische Gruppen das Instrumentalisieren des NS-Gedenkens für das Austragen innerlinker Streitigkeiten um den Nahost-Konflikt.
18.4.26, Erfurt: Gert Schramm-Gedenkstele eingeweiht
Schon 2020 hatten Decolonize Erfurt und die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) gefordert, das nach einem preußischen Militaristen und Kolonialverbrecher benannte Nettelbeckufer in Gert-Schramm-Ufer umzubenennen. Nach sechs Jahren ist nun zumindest ein Teil der damaligen Forderungen erfüllt: Am 18. April wurde eine Gedenkstele für Schramm enthüllt, der als Schwarzer Deutscher in Buchenwald interniert wurde und dort die Befreiung erlebte. Später wurde er Vizepräsident des Buchenwald-Komitees.